Unterwegs

Potsdam

Am Feiertag war ich mit einer guten Freundin in Potsdam, das ja von Berlin aus nur eine halbstündige S-Bahnreise entfernt ist. Ich war als Kind schon einmal in Potsdam, allerdings habe ich selbst keine Erinnerungen mehr an diesen Besuch, nur an die Geschichten vom Besuch – schließlich werden Verwandte nie müde, einen daran zu erinnern, wenn man mal als Kind irgendwo in einem Brunnen gebadet hat und von der Parkaufsicht streng ermahnt wurde.

Ein paar Eindrücke.

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Momente

Ein Abend in Moabit

Wir stolpern aus einer Bar, wie sie von fehlender Aufgeregtheit in Moabit gerade aus dem Boden sprießen. Noch ein Bier am Späti, haben wir gesagt.

Mein Bekannter kennt den volltätowierten Späti-Betreiber, der uns augenblicklich in einem Hinterzimmer seinen aktuellen Rap-Track auf dem iPhone vorspielt und dabei genüßlich raucht. Der Song: Gesungene Autotune-Hook, moderner Trap-Beat, Drake-Flow. Wie man das heute halt macht. Er sagt: In seinem Musikvideo dazu sollen wir Polizisten spielen. Er braucht ein paar Deutsche. Keine Schränke, einfach Deutsche. Zehn bis zwanzig Minuten, diesen Freitag. Mein Bekannter und er tauschen Nummern aus. Ich (Brille, wie er mich nennt) halte mich bedacht zurück.

Wir verabschieden uns und mit jeweils einem Hellen in der Hand gehen wir zur nächsten Häuserecke. Hier sitzt – zufällig – die Freundin meines Bekannten auf dem Boden, unter sich und auf ihr eine Wolldecke. Zu ihrer Linken eine gute Freundin, ebenso eingepackt, auf der anderen der Eisverkäufer von der Eisdiele gegenüber.

Osama, so sein Name, hatten sie zufällig kennenlernt, wie sie da so saßen mit ihrem Wein und in ihren Decken. Er gesellte sich dazu, trank mit.

Mir fällt die rote Rose auf, die jede der zwei Freundinnen in ihrer Hand hält. Solche, die in Großstädten gern (natürlich für einen entsprechenden Preis) überreicht werden. Da Osama den Rosenverkäufer kannte, haben die zwei sie allerdings kostenlos bekommen. Ach, im Laufe des Abends war auch noch kurz der Friseur von der Ecke da.

Doch der ist höchstens eine Randfigur für die Geschehnisse des Abends.

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Bemerkenswertes

Sherlock: Mentale Vorgänge filmisch abbilden.

Dass die aktuelle Staffel der großartigen Serie Sherlock einige großartige Szenen enthält, sehe zum Glück nicht nur ich allein so. Nerdwriter hat in einem Video meine Lieblingsfolge der Staffel auseinander genommen und spricht darin darüber, wie die Filmemacher mit großartigen Shots, durch Perspektiven und den Einsatz von speziellen Objektiven die mentalen Zustände des Hauptcharakters gezeigt haben.

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Momente

Die alte Frau am Fenster

Früher sah ich oft eine alte Frau am Fenster stehen. Sie stützte die Arme auf die Fensterbank und tat nichts, außer schauen. Manchmal weit in die Ferne, manchmal direkt in mein Gesicht.

Im Fenster neben ihr saß ein Wellensittich in seinem viel zu kleinen Käfig. Zwar war es dieselbe Wohnung, doch beide waren nie an einem Fenster, immer war der Vogel an dem einen, die alte Frau an dem anderen.

Den genauen Zeitpunkt, an dem ich aufhörte, die alte Frau am Fenster zu sehen, nahm ich gar nicht wahr. Da war ja noch der Vogel. Es gab nie den Gedanken: ›Oh, die alte Frau ist nicht am Fenster‘. Erst später fiel es mir auf: ihr Fenster war plötzlich leer, während der Wellensittich nach wie vor in seinem zu kleinen Käfig hüpfte dort in seinem zweiten Fenster.

Dann, von einem Tag auf den anderen, war auch er verschwunden.

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Denkt niemand an die Tiere?

Podcast des SWR2 über Tierethik.

Toller Podcast vom SWR2 darüber, wie unsere Einstellung gegenüber Tieren auf Jahrhunderte alten Ansichten basiert und nichts mit aktueller Kognitionsforschung und Ethikverständnis zu tun hat.

Wir dürfen vitale Interesse (Leben) nicht weniger gewichten als triviale Interessen (Fleisch, Milch, Eier).

Deshalb: Tieren in unsere moralische Gruppe heben und ihnen gewisse Rechte zugestehen, darunter selbstverständlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Link: https://overcast.fm/+zesUBr4

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Unterwegs

Barcelona in Bildern.

1998 war ich auf Mallorca, aber abgesehen von diesem einen Urlaub, der in meinen Erinnerungen kaum noch vorkommt, war ich noch nie in Spanien. Umso spannender diese einwöchige Reise nach Barcelona. Doch anstatt Worte verliere ich dieses Mal Bilder, die ich dort geschossen habe. Keine Sehenswürdigkeiten und doch sehenswert.

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Das Internet geht nicht mehr weg

Über Snapchat

Snapchat wird von über 100 Millionen Menschen täglich genutzt. Im Gegensatz zu anderen Social Networks, sogar im Gegensatz zu einem gelernten Prinzip des Internets, sind veröffentlichte Inhalte nach wenigen Sekunden, höchstens aber nach 24 Stunden, wieder von der Bildfläche verschwunden. Es ist gerade auch diese Flüchtigkeit, die den Reiz aus macht. In diesem Beitrag versuche ich zu ergründen, welche vorhandenen Verhaltensmuster und Bedürfnisse Snapchat ermöglichen — und welche durch Snapchat ermöglicht werden.

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Rezension

Seethaler. ›Ein Ganzes Leben‹.

 

Ginge es nach ihm, würde er für den Rest seines Lebens an irgendeinem Wegrand sitzen, Hand in Hand mit Marie, an einem harzigen Baumstamm gelehnt.


Es sind einfach schöne und klingende und schönklingende Worte, die der österreichische Schriftsteller Robert Seethaler in ›Ein Ganzes Leben‹ zu feinen Sätzen aneinander reiht. Genau darin liegt für mich die Magie des Buches: in seiner wunderbaren Sprache. Doch auch der Inhalt, die im Titel bereits angedeutete Lebensgeschichte, hat es in sich.

Egger kam wieder zu Kräften. Allerdings blieb sein Bein krumm, und fortan musste er sich hinkend durchs Leben bewegen. Es war, als ob sein rechtes Bein immer einen Augenblick länger brauchte als der restliche Körper, als ob es sich vor jedem einzelnen Schritt erst besinnen müsste, ob er eine derartige Anstrengung überhaupt wert wäre.


Wie Seethaler poetisch von Andreas Egger und dem Tal schreibt, in das Egger mit ungefähr vier Jahren purzelte, sucht seinesgleichen. Der Autor erzählt anekdotisch die Geschichte eines Mannes, der trotz vieler Rückschläge ohne Missmut und mit einer gehörigen Portion Hoffnung durchs Leben geht.

Meistens schwieg Egger während seiner Touren. »Wem das Maul aufgeht, dem gehen die Ohren zu, hatte Thomas Mattl immer gesagt, und Egger teilte diese Ansicht. Statt zu reden, hörte er lieber den Leuten zu, deren atemloses Geplapper ihn in die Geheimnisse fremder Schicksale und Ansichten einführte. Offenbar suchten die Menschen in den Bergen etwas, von dem sie glaubten, es irgendwann vor langer Zeit verloren zu haben. Er kam nie dahinter, um was es sich dabei genau handelte, doch wurde er sich mit den Jahren immer sicherer dass die Touristen im Grunde genommen weniger ihm als irgendeiner unbekannten, unstillbaren Sehnsucht hinterherstolperten.


›Ein Ganzes Leben‹ ist empfehlenswert für denjenigen, der nicht nach der großen Action auf jeder Seite sucht, sondern im Kleinen, nur Angedeuteten, viel entdecken möchte.

Die alte Frau saß alleine an ihrem Tisch. Sie hatte die Ellbogen aufgestützt und das Gesicht in den Händen verborgen. Vor ihr stand der große Radiokasten, aus dem sonst um diese Zeit entweder Blechmusik oder Adolf Hitlers aufgebrachte Redeschwälle tönten. Diesmal war das Radio aus und Egger hörte das leise Schnaufen der Alten, die in ihre Hände hineinatmete. »Ist Ihnen nicht gut?« fragte er. Die Wirtin hob den Kopf und sah ihn an. In ihrem Gesicht waren die Abdrücke ihrer Finger zu sehen, blasse Streifen, die sich nur langsam wieder mit Blut füllten. »Wir haben Krieg«, sagte sie. »Wer behauptet das?«, fragte Egger. »Na, das Radio«, sagte die Alte und warf dem Kasten einen feindseligen Blick zu.


Eine schöne Rezension, in der sie auch auf den Inhalt des Buches eingeht, hat Olivia geschrieben

Der Bürgermeister war nun kein Nazi mehr, statt Hakenkreuzfähnchen hingen wieder Geranien vor den Fenstern und auch sonst hatte sich viel verändert im Dorf.
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