Das Internet geht nicht mehr weg

Über Snapchat

Snapchat wird von über 100 Millionen Menschen täglich genutzt. Im Gegensatz zu anderen Social Networks, sogar im Gegensatz zu einem gelernten Prinzip des Internets, sind veröffentlichte Inhalte nach wenigen Sekunden, höchstens aber nach 24 Stunden, wieder von der Bildfläche verschwunden. Es ist gerade auch diese Flüchtigkeit, die den Reiz aus macht. In diesem Beitrag versuche ich zu ergründen, welche vorhandenen Verhaltensmuster und Bedürfnisse Snapchat ermöglichen — und welche durch Snapchat ermöglicht werden.

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Rezension

Seethaler. ›Ein Ganzes Leben‹.

 

Ginge es nach ihm, würde er für den Rest seines Lebens an irgendeinem Wegrand sitzen, Hand in Hand mit Marie, an einem harzigen Baumstamm gelehnt.


Es sind einfach schöne und klingende und schönklingende Worte, die der österreichische Schriftsteller Robert Seethaler in ›Ein Ganzes Leben‹ zu feinen Sätzen aneinander reiht. Genau darin liegt für mich die Magie des Buches: in seiner wunderbaren Sprache. Doch auch der Inhalt, die im Titel bereits angedeutete Lebensgeschichte, hat es in sich.

Egger kam wieder zu Kräften. Allerdings blieb sein Bein krumm, und fortan musste er sich hinkend durchs Leben bewegen. Es war, als ob sein rechtes Bein immer einen Augenblick länger brauchte als der restliche Körper, als ob es sich vor jedem einzelnen Schritt erst besinnen müsste, ob er eine derartige Anstrengung überhaupt wert wäre.


Wie Seethaler poetisch von Andreas Egger und dem Tal schreibt, in das Egger mit ungefähr vier Jahren purzelte, sucht seinesgleichen. Der Autor erzählt anekdotisch die Geschichte eines Mannes, der trotz vieler Rückschläge ohne Missmut und mit einer gehörigen Portion Hoffnung durchs Leben geht.

Meistens schwieg Egger während seiner Touren. »Wem das Maul aufgeht, dem gehen die Ohren zu, hatte Thomas Mattl immer gesagt, und Egger teilte diese Ansicht. Statt zu reden, hörte er lieber den Leuten zu, deren atemloses Geplapper ihn in die Geheimnisse fremder Schicksale und Ansichten einführte. Offenbar suchten die Menschen in den Bergen etwas, von dem sie glaubten, es irgendwann vor langer Zeit verloren zu haben. Er kam nie dahinter, um was es sich dabei genau handelte, doch wurde er sich mit den Jahren immer sicherer dass die Touristen im Grunde genommen weniger ihm als irgendeiner unbekannten, unstillbaren Sehnsucht hinterherstolperten.


›Ein Ganzes Leben‹ ist empfehlenswert für denjenigen, der nicht nach der großen Action auf jeder Seite sucht, sondern im Kleinen, nur Angedeuteten, viel entdecken möchte.

Die alte Frau saß alleine an ihrem Tisch. Sie hatte die Ellbogen aufgestützt und das Gesicht in den Händen verborgen. Vor ihr stand der große Radiokasten, aus dem sonst um diese Zeit entweder Blechmusik oder Adolf Hitlers aufgebrachte Redeschwälle tönten. Diesmal war das Radio aus und Egger hörte das leise Schnaufen der Alten, die in ihre Hände hineinatmete. »Ist Ihnen nicht gut?« fragte er. Die Wirtin hob den Kopf und sah ihn an. In ihrem Gesicht waren die Abdrücke ihrer Finger zu sehen, blasse Streifen, die sich nur langsam wieder mit Blut füllten. »Wir haben Krieg«, sagte sie. »Wer behauptet das?«, fragte Egger. »Na, das Radio«, sagte die Alte und warf dem Kasten einen feindseligen Blick zu.


Eine schöne Rezension, in der sie auch auf den Inhalt des Buches eingeht, hat Olivia geschrieben

Der Bürgermeister war nun kein Nazi mehr, statt Hakenkreuzfähnchen hingen wieder Geranien vor den Fenstern und auch sonst hatte sich viel verändert im Dorf.
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Rezension

Drei Stunden Rassismus.

Am Wochenende habe ich eine schon etwas ältere, sehr sehenswerte Dokumentation über Rassismus gesehen. Der von der BBC ausgestrahlte dreiteilige, dreistündige Beitrag zeigt eindrucksvoll das Aufkommen des Rassismus von seinen Anfängen im Kolonialismus, die Verklärung zur Wissenschaft (u.a. mit der Eugenik), die menschenverachtenden Auswüchse über mehrere Jahrhunderte, aber auch die ideologischen Vorbereitungen bereits durch antike Denker wie Aristoteles. Beleuchtet wird auch die wirtschaftliche Komponente der Sklaverei (und mit ihr eines der stärksten Treibers für Rassismus). Prädikat sehenswert.

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Unterwegs

Wind und Winter in Kopenhagen.

Neujahr verbrachte ich in Kopenhagen. Es war mein zweiter Besuch, der erste fand während einer längeren, und meiner ersten, Skandinavienreise statt. Damals sagte man mir in Helsingborg, das Beste was ich hier machen könnte, wäre, mit der Fähre nach Dänemark und dann weiter mit dem Zug nach Kopenhagen zu fahren. Einige Schnipsel meiner Erlebnisse beim zweiten Besuch.

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Discovering the good things in life

Habitica: Mit Gamification Aufgaben und Habits besser verwalten

Aktuell habe ich eine sehr ungewöhnliche Methode, um meine ToDos zu erledigen: Ich setze mir dafür Termine im Kalender. ›Dienstag 20 Uhr, 30 Minuten: Abwasch‹ etwa. Oder ›Samstags: 16 Uhr, eine Stunde Schwedisch lernen‹. Dies ist das bis heute beste System, mir Ziele zu setzen und diese auch gleichzeitig zu erreichen. Dann erzählte mir Falk Ebert von Habitica, das er bereits seit einer Woche gezielt einsetzte.

Habitica ist eine Aufgaben- und Konditionierungs-Plattform mit Gamification-Ansatz: für abgeschlossene Aufgaben oder positives Verhalten bekommt man etwa Goldmünzen oder Erfahrungspunkte. Mit diesen wiederum kann man seinen Spiele-Charakter ausbilden oder ihm eine bessere Ausrüstung kaufen. 

Zuerst legt man Habits, täglich zu erledigende Aufgaben (Dailies) und einmalige Aufgaben an. Sie ordnet man auf einer Skala von einfach bis schwer ein, diese bestimmt nach der Erledigung die Punktanzahl. Zudem gibt es noch die Kategorie Rewards, also etwas, das man sich gönnt. Hierfür bezahlt der User mit Gold, der für erledigte Aufgaben gesammelten Währung. Belohnungen für erledigte Aufgaben, sozusagen.

Mein System sieht dabei wie folgt aus: unter Habits habe ich Aktivitäten zusammengefasst, die mir schwer fallen, ich aber prinzipiell öfter machen möchte. Wo der Planer sagt: Super Sache, aber spontan Handelnde es dann aber aufschiebt oder anders sieht (in Anlehnung an das Buch Nudge, welches ich gerade gelesen habe). Spazieren gehen. Oder gesunde Ernährung. Halte ich mich an meinen eigenen Plan, kann ich mir Belohnungen kaufen oder meinen Charakter weiterentwickeln.

Dailies sind regelmäßige Aufgaben. Schwedisch oder Schach lernen, lesen. Erledige ich sie nicht am vereinbarten Tag, wird meinem Charakter Leben abgezogen. Auch normale ToDos funktionieren nach eben diesem Prinzip.

Habitica könnte die erste Aufgaben-App sein, die ich tatsächlich nutze. Zwar ist optisch noch Verbesserungspotential gegeben, aber die Funktionen scheinen durchdacht und sinnvoll. Es macht Spaß, die App zu öffnen, Dinge abzuhaken, Neue aufzunehmen und… Oh, gerade ist mein Zombie-Ticker geschlüpft — um den muss ich mich jetzt kümmern.

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Das Internet geht nicht mehr weg

Wie ein 150 Jahre altes Geschäftsmodell Innovationen im Journalismus verhindert.

So alt wie der Journalismus selbst ist auch die Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit. Das war verständlich: Preise konnten gesenkt und dadurch die Reichweite und Leserschaft vergrößert werden. Mit dem Verkauf von ‘Platz’ in gedruckten Medien – und später Radio und Fernsehen – fand er ein Geschäftsmodell, das sich über lange Zeit als äußerst ertragreich herausstelle. So lange Platz, und damit verbunden Aufmerksamkeit, begrenzt war.

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Rezension

Durch die Sterne die eigene Bedeutung im Universum verstehen.

Ich lese derzeit das Buch Religion for Atheists von Alain de Botton, in dem es darum geht, was säkulare, atheistische Gesellschaften von Religionen lernen können. Konkret: Welche Strukturen oder Elemente sind Religionen zu eigen, die auch über sie hinaus für die Gesellschaft relevant sein können, etwa der Umgang mit Trauer, das Verhältnis zur Kunst oder Gastfreundschaft.

In De Bottons Buch gefiel mir eine Passage besonders, in der die eigene Bedeutung im Universum erläutert wird. In einer Zeit, in der Gott als Erklärung weggebrochen ist, beschreibt er diese neue Perspektive wie folgt:

»When God is dead, human beings – much to their detriment – are at risk of taking psychological centre stage. They imagine themselves to be commanders of their own destinies, they trample upon nature, forget the rhythms of the earth, deny death and shy away from valuing and honouring all that slips through their grasp, until at last they must collide catastrophically with the sharp edges of reality.

[..]

The secular world is lacking an equivalent cycle of moments during which we, too, might be prodded to imaginatively step out of the earthly city and recalibrate our lives according to a larger and more cosmic set of measurements. If such a process of re-evaluation offers any common point of access open to both atheists and believers, it may be via an element in nature which is mentioned in both the Book of Job and Spinoza’s Ethics: the stars.

[..]

Myopically, the scientific authorities who are officially in charge of interpreting the stars for the rest of us seem rarely to recognize the therapeutic import of their subject matter.«

So schwer der Gedanke auch sein mag, oft hilft es und ist befreiend, sich seiner eigenen – verschwindend geringen – Bedeutung im Universum bewusst zu sein. Es kann, wie De Botton richtig schreibt, eine therapeutische Kraft haben. Doch Atheisten, die sich nicht an einen ‘Allwissenden’ wenden können, benötigen andere, säkulare Situationen oder Anlässe bei, in denen sie diese Gedanken zulassen dürfen. Dafür setzt sich De Botton ins einem Buch ein.

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Das Internet geht nicht mehr weg

Steve Jobs erklärt Cloud Computing – 1997.

1997 hat sich Steve Jobs bei der WWDC hingesetzt und eine Stunde lang die Fragen des Publikums – das hauptsächlich aus Entwicklern bestand – beantwortet. Das dabei entstandene Video ist äußerst sehenswert; nicht nur, weil es Jobs’ unfassbare Fähigkeit zum Fokus und die bekannte Kundenorientierung der Apple-Produkte zeigt, sondern auch, weil Jobs darin bereits 1997 eine Vision für Cloud Computing zeichnet, wie sie auch heute noch dazu dienen kann, ‘Cloud’ zu erklären.

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