Rezension

Inception

Heute habe ich auch endlich Christopher Nolans “Inception” gesehen. Eins vorneweg: ich mochte ihn nicht.

Filme sind für mich Kunst. Mein Lieblingsfilm ist ein leider viel zu unbekannter dreistündiger und für viele nahezu unsehbarer Streifen, indem es um Zufälle und die Verbindung zwischen Menschen geht, die gar nicht voneinander wissen – Paul Thomas Andersons “Magnolia”. Filme sind, wie gesagt, Kunst. Dazu gehört ein perfektes Drehbuch genauso wie die Regie. Vor allem hier, an den Bildern, haperte es “Inception” meiner Meinung nach: keine guten, gewagten Perspektiven, durchschnittliche Farben und Motive – bei “Inception” fehlte alles, was ich an Film mag.

Die Gewagtheit des Drehbuchs findet sich nicht in den schnell ändernden, zu wuchtigen Bildern wieder. In vielen Fällen würde ich sogar eine gewisse Lieblosigkeit unterstellen. Wenig Spiel mit Licht und Schatten. Auf kreativer Ebene ist lediglich die Story hervorzugeben, an der Christopher Nolan (dessen Film “The Dark Knight” ich nur wegen Heath Ledger mochte, der aber mit “Memento” ein exzellentes Werk gedreht hat) zehn Jahre saß. Sehr durchdacht.

Alles in allem in “Inception” entgegen andersläufiger Meinungen auch kein intellektueller Film. Die Reisen in das Unterbewusste bleiben vage und wirken konstruiert (stirbt man im Traum, wacht man auf), die von “Inception” angeregten Gedanken hätte man auch durch eine einzige Frage entstehen lassen können: “Bist du dir sicher, dass du in der Realität lebst (leben willst)?”.

“Inception” ist ein Actionfilm, der alles hat, was ein solcher braucht. Natürlich auch einen großartigen Soundtrack. Er ist ein Film vom Niveau her wie “Matrix” – etwas außergewöhnlicher Hintergrund, actionreiche Handlung und (sicher bald) Kult. Aber er ist nun mal nicht mehr. Leonardo Di Caprio nimmt man seine Rolle als Traumänderer nicht ab, überzeugt hat nur Ellen Page als Ariadne. Ich denke, “Inception” wird bei den Oscars wenn überhaupt nur in den Kategorien Bestes Originaldrehbuch, Beste Filmmusik und Beste visuelle Effekte Chancen haben.

7/10

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Rezension

Black Swan

Black Swan ist ein sehr guter Film. Er lässt den Zuschauer durch die Augen der grandios spielenden Natalie Portman die innere Spaltung der Hauptperson erfahren. Viel geschieht auf dramatische Weise mit viel Tammtamm, teilweise zu offensichtlich, doch zwischen diesen offensichtlichen, lauten Elementen finden sich allerdings auch ruhige Parts und subtile Andeutungen, etwa die Beziehung der Hauptperson zur Mutter. Viele Charaktere nehmen undurchsichtige Positionen ein, durch die Vermischung von Fiktion und Realität weiß man allerdings nie, ob sich die Personen tatsächlich so verhalten. Die Darstellung des inneren Konfliktes und die Auswirkungen von enormen psychischen Druck auf einen Menschen wurden sehr stark visualisiert. Die Parallelen zwischen dem Balletstück (Schwanensee) und dem Film sind natürlich nicht zu übersehen. Bereits am Anfang in der ersten Szene werden, wenn man genau hinhört und -schaut, die Motive des Films herausgestellt.

Black Swan ist allerdings nichts für schwache Nerven: er wühlt auf und nimmt mit. Die emotionale Reise im Kino nahm mich persönlich auch noch bis nach Hause mit: Mehrfach dachte ich zuhause, laute Schreie zu hören. Einbildung, das war mir klar, doch sie haben sich sehr wirklich angehört. Ich denke, der Film wird bei den Oscars viele Preise abräumen. Sicher dürfte ihm “Beste Hauptdarstellerin” sein, größte Chancen hat er in “Beste Regie”. Rest wird man schauen müssen.

9/10

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Rezension

Gelesen 2010

Auch in diesem Jahr habe ich wieder zusammengetragen, was ich das Jahr über gelesen, gemocht, beiseite gelegt und verschlungen habe. Der Vergleich mit 2009 kann natürlich auch gezogen werden.

  • Ich habe in diesem Jahr insgesamt 42 Bücher gelesen. Davon wurden alle von Männern und kein einziges von einer Frau geschrieben. Diese Statistik hat nichts zu bedeuten. Wirklich.
  • In diesem Jahr angefangen, doch dann wieder weggelegt: 1916 – The Irish Rebellion (nach 61 Seiten), Lolita (nach 67 Seiten), On The Road (nach 38 Seiten)
  • Die 42 Bücher stammen von 29 verschiedenen Autoren.
  • Es ist kein Buch darunter, dass ich bereits zum zweiten Mal gelesen habe.
  • Ich habe vier Bücher auf Englisch gelesen: Lao-Tze – Tao Te Ching, Truman Capote – Breakfast at Tiffany’s, J. D. Salinger – The Catcher in The Rye und Cormac McCarthy – The Road
  • In diesem Jahr habe ich eine Thomas-Bernhard-Leidenschaft entwickelt. Begonnen hat es mit Amras (4/5) und dann Wittgensteins Neffe (5/5), über die Erzählungssammlung “An der Baumgrenze” (4/5), das Drama Heldenplatz (4/5), Watten (3,5/5), Die Sammlung “Der Wetterfkeck” (4,5/5), Holzfällen (4/5).
  • Am besten gefallen (5/5) haben mir in diesem Jahr: Erich Fromm – Die Seele des Menschen, Thomas Bernhard – Wittgensteins Neffe, Kurt Tucholsky – Gesammelte Werke

(Achtung: Die Texte sind nicht immer ganz ohne Spoiler.)

Erich Fromm – Die Kunst des Liebens (4,5/5)

Ausfürhlich habe ich darüber hier geschrieben.

NEON – Unnützes Wissen 2.0 (4/5)

Fakten, Fakten, Fakten. Aneinandergereiht. Nummeriert. Mit diesem Wissen kann man auf jeder Party als ultimativer Klugscheißer gelten.

Arthur Schnitzler – Lieutenant Gustl (3,5/5)

Ein Leutnant besucht eine Oper. Beim Verlassen kommt es in der Garderobe zu einem Streit, bei dem er seine Ehre und Autorität verletzt sieht. Er irrt durch die österreichische Nacht mit dem Wissen, sich am nächsten Tag umbringen zu müssen…

Beginnt schleppend (auch weil man sich erst an den Inneren Monolog gewöhnen muss). Spannung wird einzig dadurch aufgebaut, dass der endgültige Ausgang ungewiss ist.

Sophokles – König Opdipus (4,5/5)

Die Stadt Themen wird von einer schlimmen Seuche heimgesucht. Ein Gesandter berichtet dem König Ödipus, Grund dafür sei ein ungesühnter Königsmord. Ein Seher wird herbeigeholt, der Ödipus selbst des Mordes bezichtigt. Dieser glaubt, Kreon, sein Schwager, steckt hinter der Aktion und versucht ihn damit zu stürzen. Er verurteilt diesen zum Tode. Doch in einem Gespräch mit seiner Frau begreift er, dass tatsächlich er selbst der Mörder ist. Ein Bote offenbart ihm, dass sein Adoptivvater, den er bisher für den leiblichen hielt, verstorben ist. Aufgewühlt denkt er darüber nach, zu sterben…

Eine grandiose zeitlose Geschichte!

G.E. Lessing – Der junge Gelehrte (3,5/5)

Damis ist ein junger Gelehrter, der außer seinen Büchern von wenig etwas wissen will. Auch als sein Vater, ein Kaufmann, ihn verheiraten möchte, liest er statt zuzuhören in einem Buch. Doch die Botschaft verbreitet sich schnell: eine Bedienstete und Julianes heimlicher Liebhaber versuchen die Hochzeit zu verhindern…

Arthur Schnitzler – Traumnovelle (4/5)

Fridolin und seine Frau Albterine haben sich zu Anfang dieser Novelle einander entfremdet. Da er als Arzt tätig ist, muss er eines Nachts zu einem Patienten hinausfahren. Das Geständnis dessen Tochter, in ihn, den Arzt, heimlich verliebt zu sein, seine daraus folgende Aufgewühltheit, eine arme Dirne, eine geschlossene Gesellschaft und eine Retterin werfen ihn daraufhin in einen Strudel aus den Abenteuern einer Nacht.

Emmanuel Bové – Die Ahnung (4/5)

Ein Anwalt lässt Ruhm, Geld und sogar seine Familie hinter sich und zieht in eine kleine Wohnung. Weshalb? Dieses Buch behandelt eine in vielen Augen unverständliche Entscheidung und die Dinge, die dem Anwalt in dieser Zeit widerfahren.

Lao-Tze (translation: Stephen Mitchell) – Tao Te Ching (4,5/5)

Ein ‘classic manuel on the art of living’ mit vielen Lehren. “My teachings are older than the world.”

John Steinbeck – Die Perle (3,5/5)

Der Sohn des Perlentauchers Keno (im Original: Kino) wird von einem Skorpion gestochen – das Leben des Kindes steht auf dem Spiel. Doch als Keno eine besonders schöne Perle findet, bessert sich der Zustand des Sohnes. Was allerdings Glück versprechen sollte, bringt der Familie nichts als Unglück…

Leicht geschriebener Roman, der teilweise zu erklärend wirkt.

Friedrich Hebbel – Das gekämmte Gehirn (3,5/5)

Aphorismensammler von Hebbel mit einigen Perlen darin.

Patrick Süskind – Der Kontrabass (3/5)

Ein Kontrabasspieler hält einen Monolog über sein Musikinstrument. Sein anfängliches Lob und der Stolz schlägt schnell in Hass um, da er sein Instrument dafür verantwortlich macht, dass er nicht bei der Sopranistin Sarah landen kann.

Emmanuel Bove – Ein Vater und seine Tochter (4,5/5)

Als der einsam und zurückgezogen lebende Antoine About ein Telegramm seiner verstoßenen Tochter empfängt, resümiert er seine eigene Vergangenheit: die ehe mit der jüngeren Frau, der Verrat dieser an ihm, das Leben und das spätere Lossagen seiner Tochter. Durch das Telegramm schöpft About ein letztes Mal Hoffnung, doch…

Thomas Bernhard – Holzfällen (4/5)

Ein Schriftsteller wird zu einem künstlerischen Abendessen eingeladen. Da er mit den Gastgebern seit Jahren verstritten ist, lässt er sich etwas abseits der anderen Gäste in einem Ohrensessel nieder und monologisiert über die Vergangenheit der Gäste und Gastgeber. Doch das Zusammentreffen an diesen Abend ist überschattet vom Begrägbnis einer gemeinsamen Freundin am selben Tag, deren Leben er unter anderem auf dem Ohrensessel resümiert. Auch der spät abends auftauchende Burgtheaterschauspieler, der als Ehrengast des Abends die Figur ist, kann seine steigende Erregung nicht bremsen…

Hermann Hesse – Siddhartha (4,5/5)

Ein junger Brahmensohn zieht mit seinem Gefährten in die Welt hinaus, um seine Bestimmung, seinen Weg zu finden. Er durchlebt eine aufregende Reise mit vielen Stationen und Lehren, bis er schließlich – ach, lesen Sie selbst.

Ein in klarer, parabelartiger Stilweise geschriebener Bildungsroman, der in die indische Mythologie eingeschlossen die ewige Suche eines jungen Menschens nach dem Sinn des Lebens beschreibt.

Hermann Hesse – Demian (4/5)

Emil Sinclair berichtet, wie er zu dem wurde, was er ist. Er erzählt, wie er durch eine sich spiralförmig auf sein Leben ausbreitende Lüge als Zehnjähriger als der heilen Welt des Elternhauses gerissen ist, und die ‘verbotene’ Welt kennenlernt. In dieser Zeit trifft der Demian, welcher ihm lehrt, die andere Welt zu akzeptieren. Sein Leben nimmt entscheidende Wendungen und er beginnt, nach dem Mehr im Leben zu suchen, nach dem tieferen Sinn, der Frage nach der Individualität in der Massenwelt.

Starker Anfang; das Buch allerdingt verflacht meiner Meinung nach, vor allem steigert Hesse sich zu sehr in Religiösität und Spiritualität – man hätte den Roman meiner Meinung nach in eine andere Richtung lenken müssen.

Erich Fromm – Die Seele des Menschen (5/5)

Wodurch wird der Mensch böse? Erich Fromm hat die drei Faktoren herausgearbeitet: Nekrophilie (die Liebe zu toten Dingen), übermäßiger/krankhafter Narzißmus sowie eine inzestuöse Symbiose (Mutterbindung, wobei die ‘Mutter’ nicht die biologische Mutter sein muss). Diese drei Faktoren ergeben das Verfallssyndrom. Je größer diese Regressionsebenen bei Menschen sind, desto ‘böser’ sind sie.

Albert Camus – Der Fall (4/5)

In einer Amsterdamer Kneipe erzählt ein ehemaliger Anwalt aus Paris von seinem perfekten Leben, das jedoch durch mehrere Vorfälle jäh aus der Bahn geworfen wurde. So beobachtete er einen Selbstmord, griff jedoch nicht ein. Ihm wird gewahr, dass ein jeder schuldig ist. Man muss sich selbst anklagen, um andere zu richten. Indem er in Amsterdam als Buß-Richter fungiert und anderen diese Erfahrungen beichtet, hält er ihnen den Spiegel ihres eigenen Lebens vor.

Leicht geschriebener philosophischer Monolog vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs.

Michail Bulgakow – Der Meister und Margarita (4,5/5)

In Moskau taucht ein mysteriöser Fremder auf, der Dinge vorhersehen kann und schon bald für den Tod mehrerer Menschen verantwortlich ist. Chaos und Verwirrung suchen die Stadt heim. Nur der namenlose Schriftsteller, der Meister, der an einem Roman über die Kreuzigung Jesu schreibt und seine wahre Liebe, die zur Hexe gewordene Margarita, bleiben verschont.

Ein Buch, das die Rolle von Gut und Böse auf den Kopf stellt und stellenweise zum Schmunzeln einlädt. An vielen Stellen sehr stark (der Anfang beispielsweise), einige Passagen ziehen sich unnötig.

Thomas Bernhard – Der Wetterfleck (4,5/5)

Der Wetterfleck (5/5): Ein Anwalt glaubt, an einem Klienten den Mantel seines durch Selbstmord verstorbenen Onkels wiederzuerkennen. Dieser Klient erzählt, wie er vom eigenen Sohn aus seinem Unternehmen, seinem Haus, seiner Existenz herausgedrängt wird.
Jauregg (4,5/5): Ein Mann flieht aus der Stadt und arbeitet fortan im Steinbruch seines Onkels, den er für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich macht. Sie meiden sich, nur einmal läd ihn der Onkel zum Essen sein.
Der Zimmerer (4/5): Ein aus der Haft Entlassener besucht seinen früheren Anwalt. Dieser soll sich ihm eine Arbeit verschaffen, doch während des Gesprächs zieht sich der Arbeitsuchende immer weiter in sich zurück…

Wittgenstein, Ludwig (monographie, Rowohlt) (4/5)

Als jüngster Spross einer reichen österreichischen Familie genoss Wittgenstein eine Privaterziehung. Beim ab dem vierzehnten Lebensjahr besuchten Gymnasium waren seine Leistungen nur durchschnittlich. Seine philosophische Ausbildung erhielt er in Cambridge, wo er von Bertrand Russell entdeckt wurde. Mit dem ‘Traktatus’ setzte er unter Missachtung aller Vorschriften neue Maßstäbe. Kurzzeitig wendet er sich dem Lehrerdasein zu und gibt aus Gleichgültigkeit gegenüber seinen Besitz einen Großteil dessen fort. Ein Leben lang quälten ihn Suizidgedanken und das Gefühl, missverstanden zu werden. Er starb, da er sich keine Heilung seiner Krebserkrankung wünschte.

Thomas Bernhard – Watten (3,5/5)

Ein älterer Herr hält einen Monolog, weshalb er nicht mehr zum Kartenspielen mitkommt. Doch auch seine Mitspieler gehen nicht mehr: in seinem Monolog geht es um seinen und ihren Niederganz und die Zerstörung eines Menschen.
Ein Sog in eine um wenige Wörter kreisende, doch bei weitem nicht auf diese beschränkte, Gedankenwelt. Das Buch verstört, erschlägt und ist teilweise tragikomisch. Ich glaube nicht, ihm gewachsen zu sein und erlaube mir kein abschließendes Urteil; denn bei diesem Buch scheint es nur ein zweites Lesen zu geben.

Alexander Solschenizyn – Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch (3/5)

Das Buch beschreibt einen Tag im Gefängnisalltag eines Arbeitslager-Häftlings. Die Inhaftierung wird als fast schon normal und Gerecht empfunden.

Thomas Bernhard – Heldenplatz (4/5)

Nach dem Selbstmord eines österreichischen Professors hören wir die Gespräche, Besorgnis und Erinnerungen der Hinterbliebenen. Eigentlich hören wir aber die Gründe für den Suizid: Er, der Jude, war vor den Nazis nach England geflohen, nur um nach dem Krieg zurückzukehren und festzustellen, dass der Judenhass nur noch schlimmer geworden war.
Im Drama gibt es keine Interpunktion, was dem Geschehen eine neue Ebene verleiht.

Bertolt Brecht – 100 Gedichte (4/5)

Meine Lieblinge: Erinnerung an Marie A., Vom Geld, 700 Intellektuelle beten einen Öltank an, Lob der Dialektik, Fragen eines lesenden Arbeiters, Wenn der Krieg beginnt, Die Lösung

Thomas Bernhard – An der Baumgrenze (4/5)

Der Kulturer (4/5): Ein Mann sitzt im Gefängnis ein und vertreibt sich die Welt mit Geschichtenschreiben. Als ihm seine Entlassung in Aussicht gestellt wird, beginnt die Hoffnungslosigkeit.
Der Italiener (4,5/5): Der Besitzer eines Theaters begeht Selbstmord, als das alljährliche Theaterstück auf meinem Hof gespielt werden soll. Er hat eine tödlich verlaufene Versteckaktion einiger minderjähriger Polen während des zweiten Weltkrieges auf seinem Hof nicht verkraftet.
An der Baumgrenze (4/5): Ein Geschwisterpaar kehrt in ein Gasthaus ein. Ein Gast wird auf ihr merkwürdiges Verhalten aufmerksam. Beide begehen am Ende scheinbar Suizid.

Victor Hugo – Der letzte Tag eines Verurteilten (3/5)

Dieses Buch enthält die fiktiven Tagebuchaufzeichnungen eines zum Tode verurteilten und beschreibt, wie er die letzten Tage vor seiner Hinrichtung erlebt.

Ich persönlich finde es relativ nüchtern gelesen, nicht so, als wollte Hugo, dass der Leser sich mit dem Charakter identifizieren kann.

Thomas Bernhard – Wittgensteins Neffe (5/5)

In diesem autobiografischen Werk schreibt Bernhard von seinem verstorbenen Freund Paul Wittgenstein, Neffen des Philosophen Ludwig Wittgenstein und Spross der österreichischen Familie. Ehrlich, warmherzig erzählt Bernhard seinen Monolog über Freundschaft, der die Beziehung des Realisten Bernhard zum Idealisten Wittgenstein beschreibt. Dieses Buch zu lesen ist, als würde Bernhard dieses Plädoyer für die Freundschaft direkt an einem ruhigen Abend vortragen.

Truman Capote – Breakfast at Tiffany’s (3,5/5)

In einer Bar treffen sich zwei Männer wieder, sie sich über eine lange verschollene gemeinsame Freundin kennen. Einer von ihnen erzählt später die Geschichte von Holly Golightly, die er kennenlernte, da sie es pflegte, keinen Schlüssel bei sich zu haben und so nachts bei ihm zu klingeln. Sie wurden Freunde. Doch Holly gerät in Schwierigkeiten und verschwand ebenso flüchtig und schnell, wie sie gekommen war.

Thomas Bernhard – Amras (4/5)

Nach dem Selbstmord ihrer Eltern fliehen zwei Brüder in einen Turm um hier auf unbestimmte Zeit fernab der Gesellschaft zu leben. Die Mutter plagte, ebenso wie einen der Brüder, eine unheilbare Krankheit, was den Familienalltag zur Hölle werden ließ.

John Steinbeck – Von Menschen und Mäusen (4,5/5)

Zwei Freunde — George, sowie der geistig behinderte Lennie — ziehen auf der Suche nach Arbeit auf Farmen durch das Land. Sie verbindet eine Freundschaft sowie der unbeirrbare Glaube an eine bessere Zeit mit einer eigenen Farm und eigenes Land.

Sehr dramaesk geschrieben mit viel Dialog und wenig Beschreibungen. Wörtliche Rede wird durch Slang unterstützt.

Am Ende vor allem traurig, sonst durchgehend schön. Prädikat wertvoll!

J. D. Salinger – The Catcher in The Rye (4/5)

Ein Buch über wenige Tage aus dem Leben von Holden Caulfield, eines 16-jährigen New Yorkers, das die Zeit nach Holdens Rausschmiss aus der Schule behandelt. Themen hier sind Einsamkeit, Erwachsenwerden, ‘phoniness’ der Erwachsenen und Beziehungen. Holden scheint alles und jeden zu hassen – mit Ausnahme seiner Geschwister.

In einfacher Sprache geschrieben, auch auf Englisch sehr leicht lesbar. Mehr als 200 Mal kommt das Wort “goddam” vor.

Joseph Brodsky – Gedichte (3,5/5)

Geheimnisvolle Lyrik, die mir bisher größtenteils verschlossen geblieben ist. Allerdings mit ein paar Ausnahmen: Die Hügel, Für G.P., Die Nächte im Juli sind mild und geheim, Der Garten, Wehklage.

Henrik Ibsen – Ein Volksfeind (3/5)

Als der Badearzt Doktor Stockmann entdeckt, dass das Wasser des Kurbads verseucht ist, stehen die Entscheider der Stadt noch hinter ihm. Doch schnell wendte sich das Blatt, Stockmann steht mit seinen Enthüllungen alleine da und wird gar als ‘Volksfeind’ beschimpft.

Ab dem vierten Akt wird es unerträglich dröge. Davor gut und interessant. Mit der im Werk enthaltenen Demokratiekritik kann ich wenig anfangen.

Cormac McCarthy – The Road (4,5/5)

Vater-Sohn-Geschichte: Vater und Sohn sind Überlebende einer Katastrophe, die Nordamerika mit einer Ascheschicht überzogen und die meisten Formen von Leben (Tiere, Pflanzen) dahingerafft hat. Auf der Hut vor Gefahren ziehen sie mit einem alten Einkaufswagen an einer Straße entlang in Richtung Küste.

Sehr einfach geschrieben. Teils kurze, nüchterne, ellipsenartige Sätze. Protagonisten bleiben namenslos. Keine ‘ und ‘ bei wörtlicher Rede. Eintönigkeit der Handlungen. Rührende Geschichte, große Umsetzung! Chapeau!

James Joyce – Porträt eines Künstlers als junger Mann (4,5/5)

I: 5/5   –   II: 5/5   –   III: 4/5   –   IV: 4/5   –   V: 4/5
Der Bildungsroman über einen Schreiber, dessen Erwachsenwerden wir mithilfe des an das Alter des Protagonisten angepassten Schreibstils verfolgen. Weltklasse geschrieben.

Cliffs Notes on Joyce’s Portrait of the artist as a young man (4/5)

Guter Aufbau. Hilft.

Kurt Tucholsky – Ausgewählte Werke (5/5)

Meine Lieblinge: Das Ideal, an das Publikum, Deutschland erwache, Der Graben

Andreas Popp – Der Währungscountdown (2,5/5)

Das gesamte Buch ist sehr provozierend, man weiß nie, was man glauben soll oder darf. Dafür sehr einfach geschrieben und vermittelt gut wichtigte Volkswirtschaftsbereiche.

Robert Musil – Die Verwirrungen des jungen Törleß (4/5)

Der Heranwachsende Törleß wird mit seinen Freunden Beineberg und Reiting zum Folterer.

Stilistisch großartig, die Story hat mich nicht ganz überzeugt.

Thomas Nagel – Was bedeutet das alles? (3,5/5)

Kompakt, leicht verständlich. Allerdings auch etwas langweilig an manchen Stellen. Hatte mir darunter etwas Anderes vorgestellt.

Samuel Beckett – Warten auf Godot / Endspiel / Glückliche Tage (4/5)

- Warten auf Godot (4,5/5): Beeindruckend; Es geht um den Sinn des Lebens; das sinnlose, langwierige Warten auf den geheimnisvollen Godot kann als Suche nach ‘Gott’ verstanden werden. Schlüsselsatz im Stück: ‘An dieser Stelle und in diesem Augenblick sind wir die Menschheit’.

- Endspiel (3,5/5): Nicht ganz so gut; Es geht um die Welt nach einer Katastrophe. Der geizige Hamm hortet Vorräte, teilt jedoch nicht. Das macht auch den Diener Clov von ihm abhängig, allerdings ist auch Hamm von Clov abhängig. Erst am Ende wird diese interessante Abhängigkeitsbeziehung zerstört.

Beckett zeigt uns hier die Sinnlosigkeit des menschlichen Tuns. Großartig! Allerdings gefiel mir das dritte Drama – ‘Glückliche Tage’ – nicht und ich habe es nach einigen Seiten erst einmal weggelegt, ohne mir eine abschließende Meinung darüber gebildet zu haben.

William Shakespeare – Hamlet (4,5/5)

Sehr schön und teils sehr kompliziert. Über die Handlung in “Hamlet” – mein erstes Shakespeare-Drama – muss nicht mehr viel gesagt werden.

Henry Miller – Das Lächeln am Fuße der Leiter (4/5)

‘Das Lächeln am Fuße der Leiter’ handelt vom dem Clown August, der mehr will, als die Menschen zum Lachen zu bringen. Er will ihnen Glückseligkeit schenken. Hervorrangender Schreibstil, wenn auch die vielen Vergleiche ein wenig stören.

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