Denkt niemand an die Tiere?

Wie ich keine Tiere mehr aß.

Ich aß durch eine Mutprobe kein Fleisch mehr. Die Aufgabe war, eine Woche lang das zu tun, was man sich selbst nicht zutraut: in meinem Fall der Verzicht auf Fleisch.

Ich habe früher sehr viel Fleisch gegessen. Ich war diese Art von Student, die sich aus dem Automaten in der Cafeteria eine trockene Frikadelle gekauft hat. Und ich sollte allen Ernstes eine Woche lang darauf verzichten?

Der erste Tag war einfach. Ich machte mir Bratkartoffeln, das weiß ich noch.

Mir war natürlich schon länger klar, dass es einige kluge Köpfe gab, die kein Fleisch aßen. So wie das jeder weiß. Das Image von Vegetariern, das mir in den Medien vermittelt wurden, war teils radikal, teils einfach nur ins Lächerliche gezogen. Ich erinnerte mich an Lisa Simpson die sich in einen Greenpeace-Aktivisten verliebt und an die Kurzzeitfreundin von Ted Mosby in How I Met Your Mother, Strawberry, die beim Sushiessen dem Koch den Inhalt ihres Glases ins Gesicht schüttet.

Trotzdem wollte ich wissen, aus welchen Gründen Menschen eben jenes taten, das ich als Mutprobe verstand. Ich durchsuchte das Internet, las einige Texte und Statements, stieß dann auf Earthlings und war geschockt. Es gab selten einen Film, der mich mehr mitgenommen hat.

Ich entschied, dass dies keine Mutprobe mehr war. Nicht mehr sein konnte. Ich hatte jetzt ein Bild vor Augen. Jetzt war es eine emotionale Angelegenheit. Ich las Peter Singers ‘Animal Liberation’. Spätestens danach war ich überzeugt: ich ernähre mich nicht nur ohne Fleisch, ich werde Vegetarier.

Ich probierte aus. Schnell bemerkte ich, dass ich eigentlich auf wenig verzichtete. Als jemand, für den früher Gemüse die zwei mehligen Kartoffeln in angedickter Soße neben dem Schnitzel gewesen waren, ab und an noch begleitet von verkochten Erbsen und Möhrchen, erlebte ich eine Geschmacksexplosion. Brokkoli schmeckt ja tatsächlich! Von Zucchini sterbe ich nicht.

Als ich mich dann eine ganze Woche nur von Käsebrot, Spiegel- und Rührei ernährte, bemerkte ich, wie paradox mein Verhalten war: Ich tauschte oftmals nur ein tierisches Produkt gegen ein anderes aus. Keinem Tier ging es durch mich besser.

Ich hatte zu dieser Zeit in Berlin Freunde, die gerade Veganer wurden. Als ich einmal bei ihnen zu Besuch war, unterhielten wir uns lange darüber. Doch das einzige, was mir im Kopf blieb war: »Du kannst keine Mayo mehr essen.« Aber ich liebe doch Mayo!

Noch mehr Verzicht? Ich begann, wann immer ich auf tierische Produkte ‘verzichten ‘konnte, keine mehr zu konsumieren und wenn es sich nicht vermeiden lässt, eben doch mal ein Käsebrötchen zu kaufen. Da war es wieder, dieses Wort: Verzicht.

Anfangs klappte es. Doch irgendwann stand ich um 9.30 Uhr bei McDonald’s an der Kasse und bestellte mir ein Käsetoast zum Frühstück. »So kann es nicht weiter gehen«, dachte ich. Der Umstieg würde nur mit einem glatten Schnitt klappen.

Manchmal ist es nicht einfach, eigene Überzeugung und eigenes Händeln unter einen Hut zu bekommen. Doch ich wusste, dass es mir unmöglich würde, wenn ich nicht konsequent wäre. Und so kam es, dass ich nicht mehr bewusst Tiere esse.

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Denkt niemand an die Tiere?

Carnism.

Melanie Joy, Professorin für Psychologie und Soziologie, schrieb ihre Doktorarbeit über unser Verhalten beim Fleischkonsum und die psychologischen Prozesse dahinter. Jahre später, 2010, erschien eine weitreichend überarbeitete Version dieser Arbeit unter dem Titel »Why we love dogs, eat pigs, and wear cows« als Buch.

Joy beginnt damit, den Leser mittels einem Beispiel an das Thema, das sie später carnism taufen wird, heranzuführen: Auf einer Party wird den Gästen Hundefleisch angeboten, diese reagieren geschockt und angewidert. Als der Gastgeber jedoch erklärt, lediglich einen Witz gemacht zu haben und dass es gewöhnliches Kuhfleisch sei, entspannt sich die Situation; die Gäste beginnen zu essen.

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Denkt niemand an die Tiere?

Veganes Leben: Wo den Schnitt ziehen?

Vegan leben, was heißt das eigentlich genau? Bei Fleisch, Milch und Ei sind sich selbstverständlich alle Veganer einig, bei Honig beginnt die Diskussion ab und an, doch auch hier herrscht überwiegende Einigkeit.

Orangensaft oder Wein, der mit Gelatine geklärt wird? Bienenwachs in Kosmetikartikeln? Ein Schweineborstenpinsel in einer Fabrik?

Unternehmen, die zwar vegane Produkte die nicht an Tieren getestet wurden anbieten, aber gleichzeitig Produkte im Sortiment haben, für die sehrwohl Tierversuche durchgeführt wurden?

Man merkt, es wird kleinteiliger und lässt sich für den Konsumenten schwerer beurteilen, je weiter man sich von den Produkten Fleisch, Käse oder Ei entfernt.

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Rezension

Weshalb “XOXO” von @BenniferRostock für mich das beste Album 2011 ist

Lange habe ich nun dieses Album schon gefeiert. Und das tue ich nach wie vor. Weil Casper mit “XOXO” etwas gelungen ist, das jeder Künstler versucht, doch nur einem Bruchteil gelingt: die essentiellen Facetten des menschlichen Lebens zu erkennen, ihnen nachzulaufen, sie einzufangen, sie schonungslos mit mal harten, mal weichen Worten vorzuführen und in ein Album zu komprimieren. Und vor allem: uns nachdenklich zu lassen.

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Momente

Hamburg, Digger, Hamburg.

“Und da bei euch im Süden von der Elbe,
da ist das Leben nicht dasselbe.
Denn da im Süden von der Elbe,
da sind die Leute nicht dasselbe.”

 

Heute vor sechs Jahren, am 16. Oktober 2005, kam ich das erste Mal nach Hamburg. Ich besuchte mit meinen Eltern die Speicherstadt, das Miniaturwunderland und anschließend den Michel. Ich weiß noch, wie ich vor den beeindruckenden Speichern am Fleet stand und sagte: “Einmal werde ich in dieser Stadt leben.”

 

Ich bin jetzt seit knapp über einem Jahr in Hamburg, kam aus der kleinen Stadt. Mittlerweile habe ich hier Fuß gefasst, Freunde gefunden, mehrere Arbeitgeber gehabt. Hamburg ist schon jetzt, nach so kurzer Zeit, zu einer der wichtigsten Stationen meines Lebens geworden. Hier habe ich mich in dieser Zeit unglaublich entwickelt, bin so schnell gereift (jedenfalls fühle ich mich reifer), wie in den Jahren zuvor vermutlich nicht. Aus mir ist ein anderer Mensch geworden. Hamburg hat mein Leben geprägt. Und genau deshalb ist Hamburg die tollste Stadt unseres Planeten. Für mich. Und für alle anderen Hamburger.

 

Doch man sieht auf uns herab, wenn in regelmäßigen Abständen Hamburg als “die schönste Stadt der Welt” bezeichnet wird, einen Stadtpatriotismus wie den in Hamburg gibt es selten. Wir haben die Elbe, die Alster — aber vielmehr haben wir uns. Die Menschen sind es, die Hamburg zu dem Platz machen, über den niemand Schlechtes sagen kann. Alle meine Freunde, ob aus Großbritannien, Guatemala, Australien, Lettland, alle Freunde, die über einen längeren Zeitraum in Hamburg waren oder es noch sind, fühlen sich hier aufgehoben, wohl, geborgen. Viele wollen dauerhaft ihr Leben hier hinverlagern. Das liegt nicht nur an der Offenheit gegenüber anderen Kulturen (Hanse prägt halt), sondern auch an der offenen Mentalität der Menschen. Wie besang schon die schwedische Folk-Band “Friska Viljor” diese Stadt:

 

“It was not until we met this man
And all his beautiful friends they started to show us around
That we really knew where we should go
We should go to
Wohlwillstrasse
It’s where we should go, where we should go”

Diese ungekünzelte Freundlichkeit, die hier jedem an den Tag gelegt wird. Ich finde es eine unglaublich tolle Sache, dass ich meinen Lieblingsimbissbudenbesitzer mit “Mach mal einmal Pommes.” ansprechen kann. Du kannst hier jeden duzen. Jeder hilft dir.

 

Beispielhaft eine Begegnung von vor wenigen Wochen. Ich stand an meinem Lieblingsplatz am Goldbekkanal und hörte über Kopfhörer die Hamburger Kult-Rap-Formation “Absolute Beginner”. Ein junger Mann kam auf mich zu – die Musik war wohl sehr laut – und er erkannte den Beat. Er sprach mich an und sagte einfach nur: “Hamburg, Digger, Hamburg.” Ich hoffe ihr versteht jetzt, weshalb ich diese Stadt liebe. Hamburg: <3

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Momente

Gelb > Andere Farben

Me can haz new job.

Aber mal der Reihenfolge nach: Ich bin keiner dieser Männer, die “Blau” ihre Lieblingsfarbe nennen. War auch keines der Kinder, denen in jungen Jahren eingeprügelt wird, dass “echte Männer” auf Blau stehen müssen und alles andere unmännlich sei. Ich finde etwa, Gelb ist eine großartige Farbe. Grundfarbe – allein das hört sich schon ziemlich wichtig an. Und schließlich sind so viele hervorragende Dinge gelb: die ADAC-Engel, alte Telefonzellen, Pfannkuchen, Entenküken, amerikanische Taxis, die Simpsons, die Sonne, Sterne, Käse, amerikanische Schulbusse, Winnie the Pooh, Sonnenblumen und natürlich die Packung meines Lieblingskakaopulvers. Und “Gelb!” ist auch der erste Gedanke, der Arthur Dent in den Sinn kommt, als eines Morgens urplötzlich ein Bulldozer vor seinem Haus steht. Zusammenfassung für diesen ersten Absatz: Gelb ist schon herrlich toll.

Ich finde, es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Gelbtöne es doch gibt: Zitronengelb, Goldgelb, Indischgelb, Primärgelb, Schwefelgelb. Bei Ampeln spricht der gewiefte Autofahrer sogar manchmal von “Dunkelgelb”. Und einmal von FDP und Xanthophobie (bezeichnet die Angst vor der Farbe gelb) abgesehen, gibt es eigentlich nur wenige schlechte Dinge, die gelb sind. Und nun, gelb ist ja fast so etwas wie hellorange und gegen orange kann man ja nun wirklich nichts sagen.

Diese Farbe also, Gelb, wird gemeinhin mit Lebensfreude und Frische assoziiert. Dazu passt es, dass ich euch heute erzähle, dass ich seit einigen Tagen bei einem Unternehmen arbeite, dessen Corporate Color ein Gelbton ist. Nein, nicht die Deutschen Post, soweit würde es nie kommen. Ich werde ab heute offiziell Torben, Lucie und die gelbe Gefahr neben dem Studium als Stratege unterstützen. Die Berliner Agentur für digitale Markenkommunikation (Kunden u.a. Gravis, Nutella, Payback, SPD, Subway, Vodafone) hat erst in diesem Monat ihr schönes Hamburg-Büro im bekanntesten Viertel St. Pauli bezogen. Hier, direkt zwischen Kneipen, Ladengeschäften und Hans Albers werden drei Mitarbeiter, zwei Strategen und eine Projekt-Managerin, besonders unsere Hamburger Kunden im digitalen Alltag begleiten und unsere Berliner Kollegen unterstützen.

Am letzten Freitag hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Berlin. Ich freue mich, bei der führenden deutschen Agentur ihres Fachs anzuheuern und gemeinsam mit meinen neuen Kollegen in der Hamburger Agenturlandschaft ein wenig für Furore zu sorgen. Während ich diese Zeilen so tippe, finde ich übrigens, “Wir machen Buzz. Sogar für den zweiten Mann auf dem Mond.” wäre ein wortwitziger Slogan für eine Agentur. Ich werde ihn mal vorschlagen.

Sicher sind einige von euch jetzt gelb vor Neid. Doch nun lasst uns gemeinsam die Beatles anstimmen und in schön-schiefen Tönen von unserem gelben U-Boot singen:

“We all live in a yellow submarine, yellow submarine, yellow submarine.”

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Empörung

Vor zehn Jahren; und heute

Heute vor zehn Jahren war ich bei meinem damals besten Freund. Gerade erst zehn Jahre alt geworden, Grundschüler, interessierte mich für Disney und Tolkien. Wir saßen am Computer seiner Familie, Computer waren erst jüngst in unser kindliches Leben getreten und für uns noch ziemliches Neuland. Er stand im Wohnzimmer; ich erinnere mich an die Piepsgeräusche eines 56k-Modems, das sich verbindet.

Seine Schwester saß im selben Zimmer. Sie hatte den Fernseher an. Während sie die flackernden Bilder betrachtete, bemerkte sie trocken: “Gerade ist ein Flugzeug in ein Haus geflogen.” Ich weiß noch, dass es mich nicht sonderlich interessierte, ob irgendwo – für ein Kind so unendlich weit weg – ein Flugzeug abgestürzt war. Irgendwann gingen wir trotzdem zu ihr aufs Sofa. Schließlich begriffen wir die Ausmaße. Doch nicht die Auswirkungen.

Die Auswirkungen sollten wir erst in den Jahren danach spüren. Nicht wir, mein Freund und ich, sondern wir, wir alle. Kriege wurden durch diesen Akt gesellschaftlich legitimiert, Freiheits- und Bürgerrechte beschnitten.

Ich komme um den Gedanken nicht herum, dass damit der Terrorismus erreicht hat, was er wollte. Für unser Leben viel tragischer als die erste Welle, der Anschlag als solcher,  ist beim Terrorismus ja die zweite: Politiker, die sofort die Einschränkung sämtlicher Rechte einfordern – und dank kollektivem Nicken der traumatisierten Gesellschaft diese bekommen.

Doch das macht die Politiker nur zu Handlanger des Terrorismus. Gerade in solchen Zeiten hätten die Regierenden ihre Entschlossenheit zeigen müssen, dass wir uns als Gesellschaft in unserer Freiheit nicht beschneiden lassen werden – möge die Versuchung auch noch so groß sein. Gerade hier hätte man fester zusammenstehen müssen und statt ihn langsam aufzuweichen, einen festen Boden, ein Fundament, unter unserer Freiheit demonstrieren sollen. Tat man nicht.

Zehn Jahre danach kann man eigentlich nur sagen: der Terrorismus hat gewonnen. Doch nicht, wie wir alle vermuteten, durch weitere, verheerendere Anschläge gegeben, sondern weil sich die Angst vor ihm in unsere Köpfe gefressen hat. Dort hat sie sich mit der Urangst vor dem “Fremden” gepaart, nur um an Ende Drillige zu gebären: Misstrauen, Ablehnung und Angst jr. Eine Angst, die reale Ängste, wie etwa die vor einem Autounfall oder vor Krebs, in den Hintergrund drängt. Manchmal glaube ich, wir Menschen wollen uns abstrakte Angstgeflechte aufbauen, um die realen, die uns tagtäglich begegnen, nicht wahrhaben oder besser verarbeiten zu können.

Was hat der 11. September aus uns gemacht? An Bahnhöfen werden vergessene Koffer mit Kleidung gesprengt. Natürlich, nachdem dieser geräumt wurde und der Zugverkehr in der Region für Stunden stillsteht. Terroristen brauchen heutzutage gar keine Bomben mehr.

Angehörige des Islams werden als potentielle Attentäter, die uns nach dem Leben trachten, unter Generalverdacht gestellt. So ein Verhalten kennt man doch in der deutschen Vergangenheit. Natürlich, Vergangenheit wird sich nie wiederholen, auch wenn es oft genug prophezeit wird. Doch wir sollten einige Anzeichen erkennen.

Wir sollten an dieser Stelle innehalten und uns fragen: wer hat gewonnen? Wir? Oder die Terroristen? Und wer hätte eigentlich gewinnen sollen?

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Momente

Die Melancholie der Kleinstadt

Wäre die Kleinstadt ein Wort, sie wäre sicherlich “Melancholie”. Beobachtungen bei einem Spaziergang.

Alle Jahre wieder bist du in der Stadt, in der du aufwuchst; an die du so viele schöne Erinnerungen hast: die ersten Freunde, die Schulzeit, Erfahrungen mit der Liebe. Doch wenn du dann durch die Stadt gehst, merkst du, dass sich diese Erinnerungen in deinem Kopf verändert haben.

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Momente

Dockville – Tag drei // Und ein Fazit

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Für Sonntag war Regen angesagt. Und auch als ich aus dem Fenster sah, um zu schauen, wie ich mich für diesen Tag einkleide: nichts als Regen. Also die bunte adidas-Regenjacke übergezogen und auf. In Veddel mit Caro und Chrissigetroffen.

 

Bereits auf dem Hinweg strömten und schon Heerscharen an Abreisenden entgegen. An der S-Bahnstation Veddel standen bereits zurückgelassene Schuheherum. Anhand der Menschenmassen ahnten wir, dass heute der Platz noch matschiger sein würde als an den beiden Tagen zuvor.

 

Angekommen, regnete es schon heftig. Wir sahen uns zuerst die deutschsprachige Band “Spaceman Spiff” an, deren Name auf einer Figur aus Calvin and Hobbes basiert. Es begann heftig zu regnen, sodass wir uns an einem Bierrondell unterstellten. Was generell bescheuert ist bei Festivals: Regenschirme. Denn dadurch sieht niemand mehr etwas von der Bühne. Also, liebe Festivalgänger: im nächsten Jahr lieber eine Regenjacke mehr als einen bescheuerten Riesenregenschirm.

 

Anschließend spielten “Noah and the Whale” auf der Hauptbühne. Gerade als sie begonnen hatten, brach der Himmel auf und Sonnenstrahlen kamen hervor – die leider vorerst letzten des Tages. Nachdem wir uns wieder zur rettenden Arche – erneut einem Bierrondell – gerettet hatten, genossen wir die Band. Anschließend spielten Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, die besonders durch ihren Song Home (“Home is wherever I’m with you”) die Menge begeisterten.

 

Den Tag für mich rundeten “The Pain of Being Pure at Heart” ab. Ich glaube allerdings, dass ich die Bands mehr genossen hätte, wäre nicht der Regen in meiner Gefühlswelt nicht zu jeder Zeit da gewesen. Während gerade die Herzreinen spielten, kam auf einmal von weiter hinten der Geruch von Feuer. Menschen strömen in die Richtung. Keiner weiß genau, was los ist. Nachdem im letzten Jahr versehentlich etwas brannte, gehen die Spekulationen los. Doch die Feuerwehr steht daneben. Zwar brennt ein ganzes Haus, doch niemand löscht und Menschen stehen sehr nah und schießen Fotos. Es ist eine bizarre Situation. Ziemlich bescheuerte Aktion, wenn es gewollt gewesen ist.

 

Fazit

 

Hervorragendes Festival, manchmal ziemlich desinformiert und teilweise schlampig organisiert. Im Großen und Ganzen allerdings sehr schöne drei Tage, besonders da am Samstag ja die Sonne schien und natürlich, da Casper spielte. Kommen wir also zu meinen Highlights (neben den Erlebnissen mit den großartigen Menschen, mit denen ich da war und die ich getroffen habe): Casper, Editors und Kakkmaddafakka. Casper und Editors waren klar, ich mag sie einfach, es sind tolle Künstler. Kakkmaddafakka hat mich durch eine atemberaubende Bühnenshow beeindruckt, die sie am Samstag hingelegt haben.

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Momente

Dockville – Tag zwei

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Am Samstag war ich mit Shawty, Carolin und Chrissiauf dem Dockville. Es war Sonne angekündigt, also ließ ich die Regenjacke ganz zuhause. Eine hervorragende Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte, denn den ganzen Tag über schien die Sonne.

 

Gegen drei Uhr waren wir da. Heute gab es keine Schlange vor dem Ticketzelt, doch der Weg dahin war matschiger als noch am Tag zuvor. Allerdings hatten auf dem Gelände selbst die Veranstalter etwas gegen die Umstände getan: Neben Stroh an einigen Stellen gab es nun kleine Steinchen an den Wegen und am Platz vor der Hauptbühne. Hier muss man ein Lob aussprechen, denn da hat eindeutig jemand gearbeitet. Auch herrlich, dass die gestern noch gesperrte Bühne “Maschinenraum” (in einem Zirkuszelt) wieder bespielbar war, sodass es im Gegensatz zum gestrigen Tag heute nur geringfügige Änderungen im Timetable gab.

 

Am Samstag sah ich mir zum ersten Mal das Festivalgelände an: die Baumhäuser, die einzelnen Bühnen, die versteckten Ecken, den Wald, das “Nest” (Tanzen zu Elektro). Ziemlich gut. Beeindruckt hat mich Kakkmaddafakka. Die verrückten Norweger lieferten einen der besten Auftritte ab. Nicht nur, dass sie teilweise im Bademantel oder in Boxershorts auftragen, zu ihrem Ensemble gehörten auch zwei Tänzer, die Moves ganz im Neunziger-Jahre-Stil vorgaben. Eine riesige Fahne wurde geschwenkt.

 

Absoluter Höhepunkt der beiden Festivaltage war – für mich und Shawty jedenfalls – der Auftritt von Casper, auf den wir seit Wochen hingefiebert hatten. Etwas nervig war, dass nicht nur neben uns die gesamte Zeit zwei hühnenhafte Kerle gekifft haben, sondern auch, dass wir sogar schräg dafür angeschaut worden sind, die Texte mitzurappen. “So perfekt” hingegen konnte sie alle. Und der Klassiker trat leider auch wieder ein: Bei dem sehr emotionalen Track “Michael X” klatschten einige Besucher mit, trotz Caspers mehrfacher Aufforderung. Von ihm wurde das nicht nur mit bösen Blicken bestraft. Nichtsdestotrotz rockte Casper wie kein zweiter.

 

Danach ruhten wir uns erst einmal in der L&M Lounge aus, die uns zwar Zigaretten andrehen wollten, dafür aber herrliche Stühle zum Chillout bereitstehen hatten. Der Abschluss des Abends war Santigold, die leider in aller Hinsicht enttäuschte. Nicht nur, dass es ihr nicht bekannt war, der wievielte Festivaltag denn war (“Is this the first day? Ya? No, second? Hahahaha.”), die Musikerin wirkte auch extrem arrogant. Auf die Frage, wer denn ihr Album kenne, gab es nur wenige Rufe, was sie mit “Oh, like five” in sehr abfälligem Ton kommentierte. Auch musikalisch war sie der aktuellen Stimmung nicht angemessen. Santigold spielte ihre Songs nur an und nicht zu Ende, meinte Shawty hinterher.

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