Discovering the good things in life

Meditation.

Vor einigen Wochen schenkte mir mein bester Freund ein Buch: Mindfulness In Plain English des buddhistischen Mönchen Henepola Gunaratana. Ich wusste, dass er bereits seit einigen Jahren meditiert und wir hatten in der Woche zuvor darüber gesprochen. Er gab mir das Buch zusammen mit einem Verweis auf einen Artikel von ihm.

Ich hatte mich bereits zuvor ein wenig mit dem Buddhismus beschäftigt und dadurch auch gröberes Wissen von Meditation, aber eine weitere Beschäftigung fand nicht statt. Bis jetzt.

Ich lese zuerst Timms Artikel. Darin verlinkt ist ein Artikel von Dan Benjamin, in dem wiederum dieser von seinen ersten Schritten berichtet. Beide praktizieren Vipassana-Meditation.

Ende Oktober, die Tage werden langsam kürzer und die Heizung läuft mittlerweile nahezu durchgehend, beginne ich Mindfulness In Plain English zu lesen. Das erste Kapitel führt knapp aus, was im Buddhismus unter Dukkha verstanden wird (ich schrieb damals auch darüber, weshalb es nicht einfach mit ›Leid‹ übersetzt werden kann): das tiefsitzende Gefühl der Unzufriedenheit, das als Schleier über unserem täglichen Leben liegt. Ohne Auslöser. Einfach weil wir Menschen sind. Meditation kann uns dabei helfen, mit den Aufs und Abs des Lebens besser umzugehen.

Das Ziel der Vipassana-Meditation ist Awareness. Genauer: »[A]n awareness so intense, concentrated, and finely tuned that you will be able to pierce the inner workings of reality itself«. Das klingt natürlich verlockend, wenngleich ich die ersten Seiten des Buches, und auch solche Aussagen, mit Vorsicht gelesen habe. Aber genau das ist auch ein Teil des Buddhismus: »Buddhism does not advocate faith in the sense of believing something because it is written in a book, attributed to a prophet, or taught to you by some authority figure.« Stattdessen sollen Dinge selbst ausprobiert, erfahren werden.

Also beginne ich.

Gunaratana erklärt in einfachen Worten die ersten Schritten zur Vapissana-Meditation. Im Grunde: die richtige Sitztechnik, Konzentration auf die Atmung.

Meine Gedanken wandern bei der ersten Sitzung oft ab. Wie im Buch beschrieben, versuche ich sie durch Zählen meiner Atmung (»eins, zwei, eins, zwei«) wieder zu konzentrieren. Das gelingt mir ganz gut. Die Sitzposition wird oft nach einiger Zeit ungemütlich. Obwohl im Buch beschrieben wird, dass ich meine Position nicht verändern soll, bewege ich mich leicht. Die Zeit vergeht schneller als gedacht.

Beim zweiten Mal meditiere ich nachmittags. Es ist ein ruhiger Nachmittag und ich habe mir überlegt, ob ich einen Film gucken soll – stattdessen meditiere ich. Ich stelle mir den Wecker wieder auf zehn Minuten. Dieses Mal wandern meine Gedanken zu sehr, es ist kaum auszuhalten; ich denke an Dinge, die ich erledigen muss, an mein Essen. Auch Zählen kann mir nicht helfen, ich breche ab. Stattdessen schaue ich mir YouTube-Videos über Meditation an.

Am Abend, ich habe mittlerweile etwas im Buch weitergelesen, versuche ich es erneut. Wieder zehn Minuten. Dieses Mal bin ich konzentrierter. Ich habe an einer Stelle das Gefühl für den Raum verloren, das ich nur wiedererlange, da meine Gedanken abschweifen. Auch habe ich das Gefühl, als würde ich aus mir heraus treten, hinter meine Augen, hinter mich also. Schwer zu beschreiben.

Sobald ich mich dazu bringe, mich mich auf den Punkt in meiner Nase zu konzentrieren, an dem die Außenluft in mich hineinströmt, an dem »window between the inner and outer worlds« wie Gunaratana schreibt », wird es einfacher. Am dritten Tag vergesse ich die Zeit und wundere mich, wie schnell der Wecker klingelt. Auch die Konzentration ist besser.

Ich lerne, dass gedankliche Ablenkung etwas ist, was jeder erfährt. Dass es auch darum geht, sich diesen Gedanken bewusst zu sein und dann wieder zur Konzentration auf die Atmung zurückzukehren.

Nach einer Woche will ich einmal ausprobieren, die Zeit auf fünfzehn Minuten zu verlängern. Ich bin relativ fokussiert. Heute, nach ungefähr einer Woche, sehe ich zum ersten Mal Erscheinungen. Es beginnt mit einem Flackern, wie Flammen, am rechten oberen Rand. Das Buch hat mich vorbereitet darauf, dass diese Phänomenen normal sind, dass man sie zwar beobachten, aber sich nicht erschrecken lassen soll. Ich sehe Silhouetten, ein Porträt eines Mannes, einer Frau, eines Kindes, vor Flammen. Nach einiger Zeit sind die Erscheinungen verschwunden. Es war schwer, sich in dieser Phase auf die Atmung zu konzentrieren.

Konzentration und Mindfulness, das Ziel der Meditation, sind zwei verschiedene Dinge. Auch nach einiger Zeit fällt es noch schwer, sich zu konzentrieren. Doch ich verfolge meine Gedanken, wenn sie abschweifen. Schwieriger wird es, sich nicht zu bewegen. Immer wieder bemerke ich, wie ich entweder zusammensacke, also nicht mehr aufrecht sitze, oder wie ich meine Hände bewege – oder mich an der Nase kratze. Bemerke dieses aber erst hinterher.

Doch jetzt, nach drei Wochen, meditiere ich immer noch (nahezu) täglich. Ich bin gespannt, wohin es mich noch führt.

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3 thoughts on “Meditation.

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