Unterwegs

Wind und Winter in Kopenhagen.

Neujahr verbrachte ich in Kopenhagen. Es war mein zweiter Besuch, der erste fand während einer längeren, und meiner ersten, Skandinavienreise statt. Damals sagte man mir in Helsingborg, das Beste was ich hier machen könnte, wäre, mit der Fähre nach Dänemark und dann weiter mit dem Zug nach Kopenhagen zu fahren. Einige Schnipsel meiner Erlebnisse beim zweiten Besuch.

Es war kein guter erster Eindruck. Ich war kaum vorbereitet, hatte mir nicht vorher einige Orte notiert, die ich gerne sehen würde. Zum ersten Mal in meinen bisher knapp zwei Wochen in Skandinavien sah ich Obdachlosigkeit, Trunkenheit am Tag und eine verschmutzte Innenstadt. Überall war Baustelle. Auch das einzige Schloss, das ich damals besuchte, war von Gerüsten verhüllt.

Mit diesen Vorurteilen, gesammelt an einem einzigen Tag, lebte ich zwei Jahre. Bis ich 2015 beschloss, Kopenhagen eine zweite Chance zu geben und für fünf Tage zu bleiben.

Die Gegend Sydhavnen, in der ich untergekommen bin, erinnert mich an mein eigenes Barmbek: ehemaliges Arbeiterviertel, gerade positive Aufwertung durch neueröffnete Bars und Cafés.

Ich beginne den Abend zu Fuß. Es sind Industriegebiete, durch die ich gehe, bis ich dann in Vesterbro bin, wo man die Schönheit des Backsteins bewundern kann. In einem Keller eines solchen Gebäudes befindet sich die Mikkeller Bar.

Immer wieder in Skandinavien bin ich erstaunt, wie einfach das Bezahlen per Kreditkarte funktioniert: Wie es den gesamten Prozess verkürzt, lästiges Geldzählen und Rückgeldzählen vereinfacht und vor allem, wie es alle Beteiligen so enorm entlastet.

Nach einigen Mikkeller-Bieren trinke ich zum Abschluss einen Frederiksdal, einen Kirschwein mit nur 300 produzierten Flaschen das Jahr.

 

Die Welt wächst zusammen. Die Generation meines Vaters hatte keinen Krieg mehr, konnte europaweit reisen. Meine Generation hat keine Grenzen mehr, fühlt sich als Europäer. Amsterdam oder Kopenhagen. Für mich genauso nah (oder fern) wie das Ruhrgebiet.

Kopenhagen ist schöner als in meinen verfärbten Erinnerungen. So ist das oft mit ersten Besuchen einer Stadt: sie tragen noch alle Erwartungen und vorher gemalte Bilder in sich und wirken nicht selbst.

Ich kam damals bei meinem ersten Besuch aus Stockholm. Die schönste Stadt. Ich ging in die falschen Gegenden, hatte ja auch wenig Zeit und war kaum vorbereitet. Ich sah Kopenhagen nicht, sondern immer nur meine Vorstellungen davon, auf Kopenhagen projiziert.

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Ich sitze im Öresundståg, es geht ins Louisiana Museum für moderne Kunst, etwas außerhalb von Kopenhagen gelegen. Beeindruckt bin ich vor allem von den vielen Werken Giacomettis, auch frühere Werke, die nicht den typischen Look haben. Das Museum ist traumhaft schön, direkt am Öresund gelegen und malerisch gestaltet; in sich selbst ein Kunstwerk. Im Park befindet sich ein Skulpturengarten, der wetterbedingt nicht so gut besucht ist. Nach dem ersten Besuch ist das Louisiana bereits unter meinen Lieblingsmuseen.

  

Silvester war für mich nie etwas besonderes. Ich schaue mir einige Episoden Making A Murderer auf Netflix an und trinke dabei am vorigen Tag im Kihoskh gekaufte Mikkeller-Biere. Um Mitternacht dann das Highlight: ein fassgelagertes Porter der Ægir Brauerei, die ich bereits aus Flåm in Norwegen kenne.

Die Geschichte damals war, dass ich mit zwei zuvor gekauften regionalen Bieren im Hostelzimmer des kleinen Fjordortes Flåm saß. Ein Kanadier, der ebenfalls im Zimmer schlief, setzte sich mit Tuborg-Dosen hinzu. So kamen wir ins Gespräch, in dessen Verlauf er vorschlug, in den kleinen Pub zu gehen. Eben jene Bar der Ægir Brauerei.

  

Und auch in Kopenhagen wieder: Pomodoro. Ihm begegne ich so oft, meist durch Zufall. Mittlerweile einer meiner Lieblingsbildhauer.

Von Valby aus gehe ich nach Frederiksberg, wo ich auf dem Gelände der Carlsberg-Brauerei die wunderschöne Elefantporten sehe. Weiter zum bisher schönsten Park Kopenhagens, dem romantischen Frederiksberg Have.

  

So aufregend verreisen auch ist, so toll ist es, nachhause zu kommen. Dort, wo man den kürzesten Weg durch den Hauptbahnhof und den Geruch der warmen Luft in der U-Bahn-Station kennt.

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2 thoughts on “Wind und Winter in Kopenhagen.

  1. Janne says:

    Sehr schöner Bericht.
    Interessante Formulierungen und nett zu lesen.
    Wie deine Gedichte! Verfolg das mal weiter, die waren wirklich gut.

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