Rezension

Mulholland Drive

[Dieser Beitrag ist nur für Leute empfehlenswert, die den Film “Mulholland Drive” gesehen haben, da er Interpretationen aufzeigt, Vorwissen verlangt und außerdem somit den Spaß am ‘Erste-Mal-Schauen’ zerstören würde.]

Ansehnliche Filme sind jene, dir mir zeigen, wie sie ausgehen und was sie bedeuten. Gute Filme sind jene, dir mir zeigen, was sie bedeuten, aber nicht zeigen, wie sie ausgehen, aber bei denen es nur eine Möglichkeit gibt. Meisterwerke sind jene Filme, die jedem Menschen etwas anderes bedeuten und die jeder Mensch anders ausgehen lässt.

Tja, worum geht es also in “Mulholland Drive”?

Gestern habe ich mir David Lynchs “Mulholland Drive” angesehen. Direkt danach habe ich einige Statements verfasst, noch bevor ich Sekundärliteratur zu Rate gezogen habe:

Ein Schlüssel zum Verständnis des Werkes liegt meiner Meinung nach im Besuch des Clubs “Silencio” (Stille). Dort sehen sich die Protagonistinnen zwei Nummern an: In der einen sagt ein Magier, alles sei eine Bandaufnahme und Illusion, bei der anderen wird die Sängerin ohnmächtig und hinausgetragen, ihre Stimme allerdings ertönt weiter – wie vom Band. Mit dem Band kann ein unaufhaltsamer Ablauf der Geschehnisse gemeint sein. Das Band läuft weiter. Doch das Band ist auch eine Illusion. Während man denkt, wirklich die Stimme der Sängerin zu hören, ist es nur Täuschung. Wie das Leben? Oder die Welt, in der sich die zwei Frauen befinden?

Wenig später habe ich von der Traum-Interpretation gelesen, die davon ausgeht, dass der erste Teil des zweigliedrigen Films das Wunschdenken von Betty ist. Klingt logisch. Aber ist es wirklich so einfach?

Heute Morgen, “Mullholland Drive” ließ mir einfach keine Ruhe, las ich Frank Wittchows Ansatz. Wittchow spricht von Schicksal, von Determinismus. Im Falle von Rita werde jedoch von diesem Drehbuch (vom Schicksal/Determiniertem) abgewichen, da sie beim Unfall hätte sterben sollen. Das Zufällige und das Determinierte seien kollidiert, wie Wittchow schreibt. Ihre Seele könne nicht, wie vorhergesehen, zurück in einen Pool aller Seelen (die Jitterbug-Szene zeigt uns den Pool), um von dort eine neue Reise ins Leben anzutreten. Der Unfall sei somit ein metaphysischer Unfall. Erst als Rita in Apartment 17 ihre tote Antipode entdecke, akzeptiere sie, dass sie tot sei und – verschwindet. Anschließend sei das Gleichgewicht wieder hergestellt – der zweite Teil des Films beginnt. Dieser stelle laut Wittchow eine Variante des Drehbuchs des Lebens dar. Es gebe somit nicht “Traum” und “Realität”, wie in den Theorien vieler anderer, sondern es sind Änderungen des Drehbuchs. Die alten Leute, mit denen Betty seit dem Jittwerbug-Sieg zusammen ist und die sie am Ende in den Selbstmord treiben, seien laut Wittchow Seelenbegleiter.

So. Spannende Theorie. Betonung Theorie. David Lynch sagt nicht, worum es in dem Werk wirklich geht. Und deshalb ratet, in welche Kategorie meiner oben beschriebenen Qualität von Filmen “Mulholland Drive” passt…

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One thought on “Mulholland Drive

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