Empörung

Der Unterschied zwischen Frankreich und Nigeria

Im Atlantic schrieb Matt Schiavenza einen interessanten Kommentar dazu, weshalb die Reaktionen auf die Anschläge von Paris und die von Boko Haram in Nigeria so unterschiedlich ausfallen.

Schiavenzas Hauptargument ist:

»The main difference between France and Nigeria isn’t that the public and the media care about one and not the other. It is, rather, that one country has an effective government and the other does not.«

Ja, in Frankreich werden solche schrecklichen Anschläge weniger erwartet, die Regierung und Gesellschaft ist stabiler.

Doch ich bin mir unsicher, ob das wirklich der ausschlaggebende Grund ist. Ich vermute viel mehr, dieser liegt verborgener, unterbewusster.

Dadurch, dass so wenige Journalist*innen wirklich hautnah berichten (können), haben Geschehnisse weniger Möglichkeiten, zum einen an der Filterbubble (in einer Podcastfolge sprachen Timm und ich einmal darüber) von europäischen Journalist*innen, andererseits an unserer eigenen vorbei zu kommen. Wir bekommen es schlichtweg nicht mit.

Zudem greifen dieselben Mechanismen, die uns bei Katastrophen in fernen Ländern häufig Fragen lassen, wie viele Deutsche unter den Opfern waren: Wir können uns in einen Franzosen oder eine Französin besser hineinversetzen als in eine*n Nigerianer*in. Es betrifft uns mehr, denn es ist näher und wir wissen eher, wie er*sie lebt, und wir empfinden es als realer.

Das ist tragisch. Doch es darf, vor allem auf journalistischer und politischer Bühne, nicht sein. Wie man versuchen kann, dieses zu umgehen, darüber schrieb ich letztens.

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