Das Internet geht nicht mehr weg, Essay

Generative Kunst

Computer-Kunst und generative Kunst sind nicht neu, fast 30 Jahre sind allein seit Albert Oehlens Computer Paintings vergangen. On-chain generative art allerdings ist in seiner Form eine neue Richtung: hierbei wird der Code bzw. Algorithmus direkt auf eine Blockchain programmiert, durch auslösen dessen, das sog. minten (meist durch die Kunstkäufer:innen, die somit Bestandteil der Werkerstellung werden) wird ein Output generiert. Oftmals gibt es mehr Iterationen als früher, bei denen zwar in den besten Werken untereinander eine Ähnlichkeit vorhanden ist, aber keine zwei Iterationen genau gleich aussehen. Durch diesen Prozess des Mintens wird auch in den meisten Fällen keine Vorauswahl durch die Künstler:innen getroffen.

Tyler Hobbs beschreibt den Prozess in seinem Essay “The Rise of Long-Term Generative Art” sehr gut:

When a collector mints an iteration (i.e. they make a purchase), the script is run to generate a new output, and that output is wrapped in an NFT and transferred directly to the collector. Nobody, including the collector, the platform, or the artist, knows precisely what will be generated when the script is run, so the full range of outputs is a surprise to everyone.

Dass ein Besitz dieser rein digitalen Werke möglich wird, regeln non-fungible tokens, NFTs. Diese sind wie eine digitale Besitzurkunde & aufgrund ihrer technischen Natur unveränderlich. NFTs sind ein Bestandteil der Blockchain-Technologie, die aktuell als Web3 eine dezentralere Ordnung des Internets vorantreibt: dazu gehören auch dezentrale Organisationen (DAOs) oder dezentrale Finanzprodukte (DeFi).

Begonnen hat on-chain generative art 2018 mit den CryptoPunks von Matt Hall & John Watkinson. Die faszinierende Geschichte dieses wegweisenden Projekts (erste Kunst auf der Blockchain) – aus dem der heutige NFT-Standard ERC-721 entstand – ist für jede:n Kunstinteressierten ein Must-Listen, um diese neue Bewegung der generativen Kunst besser zu verstehen.

Seitdem ist künstlerisch viel passiert. Projekte wie Dmitri Cherniaks Ringer (inspiriert durch Arbeiten von Armin Hoffmann aus 1965), Tyler Hobbs Fidenza oder Kjetil Golids Archetypes, kuratiert über die ArtBlocks-Plattform, haben die Richtung weiter nach vorne getrieben.

Um die Konzepte dahinter & die Funktionsweise der Algorithmen zu verstehen, empfiehlt es sich, Essays der Künstler:innen darüber zu lesen: diese Diskussion um die Algorithmen, Attribute oder kunstgeschichtlichen Referenzen ist in der Szene sehr üblich – ein Beispiel & ein weiteres.

Ich für mich kann sagen: ich war nicht mehr so begeistert von einer Entwicklung im Internet, seit ich (spätestes) 2008 das “Realtime Web” entdeckte. Daher ganz klar: I’m bullish. NFTs für Kunst oder Collectibles (inkl. Gaming & Sport) sind hier, um zu bleiben.

Edit 05.11.21: Eine herausragende tiefere Einführung, die generative Kunst in ihren kunsthistorischen Kontext einbettet, bietet zudem “Why Love Generative Art”.

Standard